Hinabgespült in die Entbehrlichkeit

Wenn Rainald Goetz‘ Texte eines fürchten, dann ist das realitätsferne Abstraktion. Seine Wortmonsune entstehen aus der Unmittelbarkeit und sind für die Unmittelbarkeit konzipiert, fürs Lebendig-Werden im Lesen, in der Aussprache, auf der Bühne. Am „Gare du Nord“ in Basel wurde jetzt „Kolik“ inszeniert – mit Sarah Maria Sun in der Hauptrolle.

Unerträgliche Zeit

Musik ist eine Kunst, die in der Zeit stattfindet. Das wird selbstverständlich hingenommen, manchmal gar nicht groß beachtet. Aber es gibt Interpretationen, in denen wird das Dauern, Fließen und Warten zu einem Element, dem man am liebsten entfliehen würde. Ein Beispiel: die großartige Debüt-CD des Mosa Trio.

Kalendermitseufzkitsch

Irgendwie mutet das komisch an: Am Sonntag der Bundestagswahl, kurz nachdem bekannt wurde, dass die rechtspopulistische AfD als drittstärkste Partei in den Bundestag einziehen wird, inmitten all der dadurch aufkommenden unheimlichen Assoziationen und historischen Erinnerungen, findet bei der RuhrTriennale die Premiere des wohl unpolitischsten Theaterstücks des Festivals statt. „Kleine Seelen“ (Regie: Ivo van Hove) versprach, ein sowohl tiefsinniges wie auch anregendes Psychogramm des modernen Menschen zu werden – doch es wirkte an diesem Tag an diesem Ort nur kitschig und gehörig fehl am Platz.

Dantes Cyber-Höllentor

Die experimentelle Musiktheaterproduktion „Homo Instrumentalis“ beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung: Wo kommt sie her, was zeichnet sie aus, und wo bringt sie den Menschen noch hin? Das Ensemble des Produktionscenters „Silbersee“ begegnet diesen Fragen in seiner Auslegung dabei vor allem dystopisch.

Klangorkan

Renaissance-Musik für 40 Stimmen und ein eingespieltes Ensemble, das 450 Jahre nach ihrer Entstehung eine Aufnahme davon macht: The Cardinall’s Musick unter Andrew Carwood leistet mit „Spem in Alium“ einen wichtigen Beitrag zur Interpretationsfrage Alter Musik.

Nicht die Unfreiheit ist die Hölle

Jeder, der den Raum betritt, wird aufgezeichnet. Kameras, Laptops, Mikrofone, Kupferdetektoren nehmen jede Schwingung und jedes Magnetfeld auf, kompromisslos – und sie übersehen und überhören nichts. Jede Bewegung wird kommentiert, jedes Atmen, jedes Räuspern, jeder Schritt erklingt verstärkt, für alle hörbar – interpretiert als Musik. „Kunst der Überwachung“ nannten das Ensemble Tonverbrechung und das Künstlerkollektiv RaumZeitPiraten am Donnerstagabend ihre gemeinsame Performance in der beinahe völlig abgedunkelten Aula der  Kunsthochschule für Medien.