Live-Löwen

Für ihr allererstes Album bekamen SPARK im Jahr 2011 einen ECHO in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“. Die Bezeichnung klebt seitdem wie ein Genre-Etikett auf dem Bandnamen. Trifft sie das, was die fünf Musiker da machen? Ein Besuch in Frankfurt.

Unter den letzten Fortissimo-Takten spannen sich die Wände des Wohnzimmers wie das dünn gewordene Gummi eines Ballons, den man zu fest aufgeblasen hat. Es schrillt der Spitzenton der Piccolo-Blockflöte, das Klavier knallt, der Rest des Klangs ist kaum mehr zu identifizieren. Vielleicht sitze ich auf meinem Stuhl direkt hinter Andrea Ritter mit ihrem schneidenden Flötenmercedes auch etwas ungünstig, bei diesem exklusiven kleinen Probenbesuch. Die Musiker der Band SPARK tragen keinen Gehörschutz, nun, irgendwann braucht ihn ja selbst der Schlagzeuger einer Metalformation nicht mehr.

Hier aber wird nichts verstärkt oder geschrammelt, im Gegenteil: Andrea Ritter und Blockflötist Daniel Koschitzki, Violinist Stefan Balazsovics, Cellist Victor Plumettaz und Pianist Christian Fritz spielen als Kammermusikformation per definitionem akustisch. Sie feilen trotz vorgegebenem Höllentempo an jeder nur so winzigen Artikulation. Zahlreiche Abbrüche nehmen sie hin für die maximal mögliche rhythmische Präzision, sie schauen sich gegenseitig mit aufdringlich weit geöffneten Augen an, für die optimale parallele Gestaltung einer Phrase. Sie wollen ihn, den makellosen einen Guss. Selbst beim Proben agieren sie, als wäre der Raum die Carnegie Hall.

Eine Gigue von Max Reger, bekannt aus der Solosuite op. 131C d-Moll für Violoncello, hat Victor Plumettaz im Arrangement für die ungewöhnliche Ensemblebesetzung kaum verändert. Trotzdem will man aufspringen, zwar nicht gleich lostanzen, aber sich irgendwie bewegen. Das sind wenige Minuten deutscher Spätromantik in Discolautstärke mit dem glutvollen Zug eines brasilianischen Tanzes.

In zehn Bühnenjahren hatte die Formation nie so etwas wie einen klassischen Probenraum, denn es ging schließlich immer auch so: im Wohnzimmer der Eltern oder zu Hause bei einem der Musiker. Hauptsache mit Flügel und ein bisschen Platz zum Bewegen. Denn ja, Andrea Ritter und Daniel Koschitzki fangen unterwegs nicht selten an zu tanzen. Hier bewegt sich irgendwie alles. Das Ensemble akustisch zu hören und zu sehen ist ein völlig anderes Erlebnis, als eine der fünf bisher erschienenen, repertoiretechnisch höchst unterschiedlichen CDs aufzulegen.

… weiterlesen auf niusic.de

Beitragsbild: © Bartosch Salmanski